Neuer SGHB-Präsident: Damian Zingg

In der Vergangenheit haben sich bereits Neuzugänge im Vorstand nach deren Wahl auf der Homepage vorgestellt. Damian ist bereits im letzten Herbst zu uns ins Vorstandsteam gestossen, die Vorstellung haben wir uns aber in Anbetracht des nahenden Präsidentenamtes bis jetzt aufgehoben.

Am vergangenen Samstag haben wir Damian einstimmig zu unserem neuen Präsidenten gewählt. Wir wünschen ihm alles Gute für das neue Amt und danken bereits jetzt für das Engagement.

Geboren im Zeichen des Bergbaus

Ich muss dem Leser dieses Blogs nicht erklären, dass in der geheimnisvollen Welt unter Tage besondere Gefahren lauern und die Bergleute deshalb am 4. Dezember ihre Schutzheilige Santa Barbara feiern. Dass ich an diesem Tag geboren bin, dürfte erklären, weshalb ich mich seit meiner Kindheit für Bergbau interessiere und im Laufe der Jahrzehnte in unzähligen Stollen und Schächten unterwegs war.

Schon als Schüler korrespondierte ich mit deutschen Kohlebergwerken, erhielt Fotos von Fördertürmen, Grubenbahnen und Proben unterschiedlichster Steinkohlen. Aus Österreich trafen Erzstufen aus dem Bergwerk von Stadtschlaining ein, vom Steirischen Erzberg und der Bleiberger Bergwerks Union.

Als ich englisch lernte, führte der Briefkontakt zu Bergwerken in Südafrika, Kanada, Australien und Amerika zu einer stetig wachsenden Erzmineraliensammlung.

Mein erstes privates Bergbauforschungsunternehmen führte mich als Primarschüler ins Aeugstertal, zum Kohlebergwerk Riedhof. Ich hatte zuvor in einem sehr detaillierten, italienischen Weltaltas (!) festgestellt, dass es in der Nähe von Affoltern am Albis ein Bergwerk gegeben haben muss.

Wenig später folgte eine erste, unvergessliche ‚richtige‘ Bergwerksbefahrung: Unsere sechsköpfige Familie erhielt im Quarzsandbergwerk Chrästel eine Privatführung. Für mich ein „Urknall“, denn sie weckte den Drang, mehr über Geologie, Mineralogie und Bergbau zu erfahren. Und der geheimnisvolle Zauber, der meine Fantasie in dieser Grube beflügelte, ging mir nie mehr aus dem Kopf.

Seit den 1980er Jahre Mitglied der SGHB, unternahm ich in der Folge unzählige Exkursionen im In- und Ausland. Ich reise gerne und befuhr bei dieser Gelegenheit Kohlebergwerke in Asturien, Belgien, Slowenien, Deutschland und Polen, Erzgruben in der Toscana und tiefe Kalisalzschächte in Thüringen, unzählige Stollen in den geschichtsträchtigen Revieren Europas.

Als Jüngling meldete ich mich einmal als ‚Journalist‘ getarnt für eine Befahrung der riesigen Zeche „Sophia Jacoba“ im Aachner Revier an: Tatsächlich fuhr ich wenig später mit dem Obersteiger zu einem kilometerweit vom Schacht entfernten Abbaustreb auf der 600 Meter Sohle, wo ein Hobel direkt vor meinem Gesicht dem Flöz krachend Anthrazitkohle entriss.

In all den Jahren hinterliess ich auch ein paar Spuren. Zunächst in Form weniger Artikel, u.a. über Diatomeenerde (Kieselgur). Bis heute sichtbar ist die Aluminiumleiter, die ich von der oberen Sohle her im Goldbergwerk Sessa einbrachte: In den 80er Jahren war der Haupteingang nahezu verstürzt, dahinter staute sich viel Wasser. Ein Abstieg vom oberen Zugangsstollen durch den zunächst tonnlägigen, dann senkrechten Schacht, schien einfacher. Oft war ich dort unten…

Die Welt unter Tage weckte auch die Fantasie, wie ich es schon als Kind im Chrästel erlebt hatte. Kein Wunder irritierte ich in der Schule Lehrer und MitschülerInnen, als ich keine Berge mit darüber scheinender Sonne zeichnete, sondern Querschnitte von Bergbauanlagen, Fördertürme und Szenen vom Stollenvortrieb.

Später fanden eigene Bergbauerfahrungen in literarischen Werken Niederschlag: In meinem historischen Roman „Zagi“ folgte ich dem Lebensweg des Schweizer Neuseeland-Pioniers Jakob ‚Zagi‘ Lauper bis auf die Goldfelder von Hokitika. Im poetischen Roman „Koschniz und die Götter vom Bodensee“ gräbt ein mysteriöser „Alter von der Meersburg“ tief unter dem Grund des Bodensees und eine geheimnisvolle Kaverne.

Mit der Zeit entdeckte ich, dass Goethe eine tiefe Verbindung zum Erinnern hatte, sogar ein Kupferschieferbergwerk leitete und der Dichter Novalis Bergbau studierte und in seinen Texten buchstäblich tiefste Gründe erkundet.

Seit vielen Jahren bin ich auch beruflich im Erdinnern unterwegs: Als Museumsleiter der legendären Gotthardfestung Sasso San Gottardo verbringe ich jeden Sommer unter Tage. Mittlerweise unternehme ich auch regelrechte Stollenwanderungen. Durch eine Kooperation mit dem BedrettoLab der ETH führe ich Besucher durch den über zwei Kilometer langen Stollen ins das Geothermie-Forschungslabor 1500 Meter unter dem Pizzo Rotondo.

Es ehrt mich ausserordentlich, dass ich nun das Präsidium der SGHB übernehmen darf. Ich weiss um die Bedeutung dieses Amtes, in Anbetracht meines Geburtstags am Barbaratag und der Tatsache, dass ich mich schon seit Jahrzehnten mit Bergbau befasse. Es ist mir ein Anliegen, die SGHB in die Zukunft zu führen, die drei Pfeiler „Forschung und Publikation“, „Exkursionen“ und „Netzwerk Bergbau Schweiz“ weiter auszubauen und junge Leute zu motivieren, in der Bergbauforschung tätig zu werden.

Die Welt unter Tage hat mich seit jeher beschäftigt und Bergbau wird auch in Zukunft Teil meiner Biografie sein. Als am 4. Dezember Geborener kann man gar nicht anders.

Damian Zingg, Andermatt

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