Sandbergwerk bei Schlatt (TG)

Am Cholfirst zwischen Benken und Schlatt, treten an ein paar vereinzelten Stellen Aufschlüsse der Oberen Meeresmolasse auf. Die heute noch bekannteste Stelle ist die ehemalige Quarzsandgrube bei Benken. Hier befindet sich das einzige noch teilweise zugängliche Vorkommen von Graupensanden der Oberen Meeresmolasse. Diese Sande sind Teil der grossen Graupensandrinne, die eine Entwässerungsrinne zu Beginn der Oberen Meeresmolasse darstellte. Diese Rinne entwässerte damals von Nordosten gegen Südwesten in das in der Schweiz vorhandene Molassemeer.  Den Namen der Rinne enthielt diese durch das Grundmaterial; einem groben Sand mit darin enthaltenem Kleingeröll in der Grösse von Graupen. Dieser Graupensand enthielt eine grosse Vielzahl an Muscheln, Rochen-, Hai- und Knochenfischzähne, Reste von Walen, Delfinen und Seekühen. Aber man fand auch ins Meer eingespülte Reste von landlebenden Reptilien und Säugetieren. Im Verlauf der Oberen Meeresmolasse wurden Teile der Graupensandrinne durch die nochmalige Transgression (Vorrücken, Ausdehnen) des Molassemeer überschwemmt. Die während dieser Zeit abgelagerten Sedimente bestehen aus quarzreichen Feinsanden und sind von Geröllbänken durchzogen. Im Vergleich zum Graupensand sind diese Feinsande ärmer an Fossilien. Häufig findet man Spuren von limonitisierten, (durch Eisenlösung imprägnierte) Holzreste wie Äste und Baumstämme. Diese beiden Schichten gehören der Brackwasserschicht in der Oberen Meeresmolasse an. So genannt, nach dem Millieu, in dem sie abgelagert wurden.

Im mittleren Miozän, mit Beginn der Oberen Süsswassermolasse wurde dann das Molassemeer durch Schuttablagerungen aus den Alpen aufgefüllt. Gletscher modellierten im Quartär die uns bekannte Landschaft und hinterliessen ihre Spuren als Deckenschotter über den Ablagerungen der Molasse.

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Limonitisiertes Holz

Ab 1840 bis ca. 1983 wurden in Benken die quarzreichen Sande der Oberen Meeresmolasse abgebaut. Da die Überdeckung der Quarzsande sehr mächtig war und der Abbau zum grössten Teil von Hand stattfand, wurde zu Beginn ein Teil mit Stollen abgebaut. Später als für den Abbau schwere Maschinen eingesetzt werden konnten, erfolgte die Gewinnung ausschliesslich im Tagebau. Der Quarzsand wurde in erster Linie an Glashütten geliefert. Seit ca. 1880 kamen weitere Abnehmer dazu. So war der Sand auch in der Eisenindustrie als Formsand gefragt, bei Kläranlagen, in der Dachpappenproduktion sowie als Streusand bei der SBB, oder als Sägesand in Marmorwerken. Viele Leser kennen diesen Quarzsand sicher noch aus ihrer Schulzeit. Damals wurden die Sportanlagen noch mit Sand aus Benken ausgerüstet und so manch Schüler hat in der Pause im Sand gesessen um mit seinen Kameraden nach Fischzähnen zu suchen.

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Typische Abfolge von rostgelben oder graugefärbten Sanden mit eisenschüssigen Bereichen.

Ein weiteres Vorkommen das bewirtschaftet wurde, war die Grube im benachbarten Wildensbuch. Diese ist aber schon seit längerem verfüllt und es befindet sich heute auf dem Gelände der ehemaligen Grube eine Schiessanlage.

Vermutlich den meisten Lesern unbekannt, fristet ein kleines Bijou sein Dasein im Schatten der grossen Quarzgrube von Benken. Hier ist die Rede vom kleinen Sandbergwerk im Südwesten von Schlatt. Leider liegen uns zur Zeit keine genaueren Informationen zu diesem Bergwerk vor. Der Autor vermutet, dass die Verwendung des Sand im Bereich der Glas- und Stahlindustrie lag. Abgeklärt werden muss noch, ob die Sande womöglich in der nahe gelegenen Ziegelei Verwendung fanden. In der Erstausgabe der Siegfriedkarte ist der Weg zum Bergwerk eingezeichnet, es wird aber mit keinem Text auf einen Abbau hingewiesen.  Es kann also davon ausgegangen werden, das um das Jahr 1865 die Quarzsandgrube bei Schlatt schon bestand.

Um das Rohstoffinventar der SGTK zu aktualisieren, sind wir auf Ihre aktive Mitarbeit angewiesen. Wenn Sie weitere Informationen zum diesem Bergwerk besitzen, dann würde es uns natürlich sehr freuen, wenn wir diese in unser Archiv aufnehmen dürften.