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Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Historische
Bergbauforschung
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Inhaltsverzeichnis Minaria Nr 25b/2005
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Einen wichtigen Anteil unter den «fossilen Energierohstoffen», wozu auch Erdöl und Erdgas sowie Teer (Schweröl) und Ölschiefer gehören, bildet die Gruppe der Kohlen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Kohle den Gipfelpunkt ihrer Bedeutung als Energierohstoff erreicht; seither haben Öl und Gas den Anteil der Kohle an der Weltenergieversorgung immer mehr zurückgedrängt. An der Primärenergieversorgung der Welt hat Kohle heute einen Anteil von 25% (Erdöl 44%, Erdgas 26%, Kernenergie 2,4%, Wasserkraft 2,5%, andere Energien < 0,2%). Der Energieverbrauch wächst heute weltweit um rund 2% jährlich, fast ausschliesslich in den Entwicklungs- und Schwellenländern (vor allem in China, Indien und Südostasien). Dieses Wachstum kann nicht vollständig durch andere Energieträger aufgefangen werden, weshalb die Kohlenförderung in China massiv ansteigt (von 2001 bis 2002 um 29%). Kohle wird heute fast ausschliesslich zur Erzeugung von elektrischer Energie und zur Herstellung von Koks für die Metallverhüttung verwendet, untergeordnet für industrielle Prozesse und zur Raumheizung. Die heute bekannten und wirtschaftlich gewinnbaren Reserven betragen rund 1000 Milliarden Tonnen SKE (Steinkohleeinheiten*). Davon sind mehr als 50% Steinkohle und Anthrazit, der Rest Braunkohlen. Die Weltkohlenproduktion lag 2002 bei 4800 Megatonnen, woraus sich für Steinkohlen und Braunkohlen eine statische Lebensdauer der Vorräte von je rund 200 Jahren errechnen lässt (Abb. 2). Riesige Energievorräte würden verfügbar, wenn nur ein Teil der heute noch nicht gewinnbaren Ressourcen durch verbesserte Bergbautechnologien oder durch In-situ-Vergasung nutzbar gemacht werden könnten. Mehr als die Hälfte der Kohlenreserven liegen in den USA, Russland und China. Grosse Steinkohlenreserven haben ferner Indien, Südafrika, Australien und Kasachstan, während bedeutende Braunkohlenvorräte in den USA, Russland, China und Australien bekannt sind. Der weltweit grösste Produzent und auch Verbraucher von Steinkohlen ist China (fast 30% der Welt), gefolgt von den USA, Indien und Australien. Die grössten Braunkohlenproduzenten sind Deutschland, USA, Griechenland und Australien. Nur von historischem Interesse und in weltwirtschaftlicher Hinsicht nie von Bedeutung waren die schweizerischen Kohlen, obgleich sie natürlich in Mangelzeiten von sehr grosser nationaler Bedeutung waren.
In seinem Werk «Die Schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss» von 1899 beschreibt Dr. Emil Letsch die Lage des Bergwerkes Käpfnach folgendermassen: Wenn wir von Zürich aus mit dem Dampfschiff dem linken Ufer des Sees entlang fahren, so sehen wir am Gestade zwischen dem stattlichen Flecken Horgen und der baumbekränzten Halbinsel Au um rauchende Fabrikkamine einen Komplex von Gebäuden. Das sind die Kohlengruben und Zementwerke des Staates Zürich in Käpfnach. Sanft steigt nach Südwesten das reichbebaute Ufer an, bedeckt in üppiger Vegetation mit Rebbergen, Obstgärten und höher mit Laub- und Nadelwald. Oben verflacht sicht der Rücken und stürzt dann mit steilem Abhange gegen das junge Sihltal ab. Und wie sieht es heute aus? Käpfnach, ein Ortsteil der Gemeinde Horgen, ist ein äusserst dichtbebautes Gebiet, keine Spur von grossen Gebäudekomplexen mit rauchenden Kaminen, keine Spur von Reben und kaum Obstgärten. Vom See oder von Seeuferwegen her betrachtet deutet nichts daraufhin, dass sich hier eine Kohlengrube und ein Zementwerk befand. Und auch an Land sind die meisten Hinweise auf das ehemalige Kohlenbergwerk bzw. auf das heutige Besucherbergwerk Käpfnach nur schwer entdeckbar. So überrascht es denn wenig, wenn manchmal selbst Horgener erstaunt zur Kenntnis nehmen, «was sich unter ihren Füssen befindet», dass befahr- und begehbare Stollen vorhanden sind und dass ein Bergbaumuseum die Jahrhunderte alte Geschichte des Bergbaus in Horgen und die geologischen Seiten zeigt.
Aufgrund des zunehmenden Kohlenstoffgehaltes (zunehmender Inkohlungsgrad) unterscheidet man in der Schweiz zwischen Torf, Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit. Beschaffenheit und Alter bedingen ferner die Unterteilung in Kohlen der Karbonformation, Kohlen aus mesozoischen und alttertiären Schichten, Kohlen aus den Molasseschichten sowie quartäre Kohle. Eine erste urkundliche Erwähnung des Kohleabbaues in der Schweiz geht auf 1548 zurück (Schweizer Chronik von Johannes Stumpf). Nach den Anfängen im Mittelalter und einer staatlich gelenkten Abbauperiode im 18. und 19. Jahrhundert wurden vor allem während der Kriegsjahre Schweizer Kohlen ausgebeutet. Allein in Käpfnach bei Horgen ZH waren 1945 über 200 Bergleute mit dem Kohlenabbau beschäftigt, die Jahresproduktion betrug dort über 10‘000 Tonnen und stieg kurz nach Kriegsende wegen fehlender Kohleimporte auf rund 13’000Tonnen. Gesamtschweizerisch wurden zwischen 1940 und 1947 etwa 500‘000 Tonnen Anthrazit, 410‘000 Tonnen Braunkohlen und 275‘000 Tonnen Schieferkohlen gefördert. Damit konnte für die Industrie während des Krieges 28% des Kohlebedarfs gedeckt werden. Nachdem die Kohleimporte wieder funktionierten, ging es mit der einheimischen Förderung rapide bergab, und die Betriebe wurden liquidiert.
Die Generalversammlung vom 8./9. Oktober 2005 steht ganz im Zeichen der Kohle. Mitten im «ostschweizerischen Braunkohlenrevier», beim ehemaligen Bergwerk Riedhof wird der logistische Mittelpunkt gesetzt. Die Räumlichkeiten im Bergwerkmuseum Riedhof und im benachbarten Götschihof bieten dazu ideale Voraussetzungen. Neben interessanten Beiträgen im wissenschaftlichen Teil der Tagung wird auch über das Riedhof-Kohlenflöz hinausgeschaut (das Kohlenflöz selbst wird in einer Spezialexkursion unter der Führung von Ueli Wenger und Rainer Kündig besucht, allerdings ist angesichts des Zustandes der Stollen diese Besichtigung nur für speziell ausgerüstete Teilnehmer zu empfehlen).