SGHB

Schweizerische Gesellschaft für historische Bergbauforschung


Minaria Helvetica

Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Historische Bergbauforschung
Bulletin de la Société Suisse d'Histoire des Mines
Bollettino della Società Svizzera di Storia delle Miniere

 

Inhaltsverzeichnis Minaria Nr 23a/2003
Table des matières Nr 23a/2003


Bettina Falk Falcone, Zürich
Erzstollen am Hungerberg bei Aarau Handschriftliche Akten (Mitte 19. Jahrhundert) aus dem Staatsarchiv des Kantons Aargau.
Text und Transkriptionen

Zusammenfassung

Die 1765 gegründete Bergakademie Freiberg hatte die Aufgabe, die künftigen Bergbeamten technikwissenschaftlich so auszubilden, dass sie sowohl die neue Maschinentechnik als auch die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Bergbaus beherrschen und den Bergbau wie das Hüttenwesen als Ingenieure leiten konnten.» (O. Wagenbreth, Freiberg). Als Absolventen dieser Bergakademie am Ende des 18. Jahrhunderts begegnet man dem Berner Johan Samuel Gruner (1766­1824) und dem Aarauer Johann Rudolf Meyer (1768­1825), welche erstmals den schweizerischen Bergbau von der technischen Seite durch gründliche geologische Untersuchungen und Erkenntnisse in einen Zusammenhang gebracht haben, was zum Ziel hatte, durch Risse die Gewinnung nutzbarer Flächen anzugeben, für mehr Sicherheit gegen Einsturz, Durchlüftung der Stollen zum Abzug der Berggase und Wegschaffen des Grundwassers durch Pumpen sowie Bekämpfung der Grubenwärme mittels Ventilation zu sorgen. Daneben wird ein Blick geworfen auf die in Deutschland bereits fortgeschrittene Wirtschaftlichkeit durch Maschinerie und einen modernen Gang der Verhüttung am Beispiel Albbruck nahe der Grenze zur Schweiz, seit der Gründung dieses Werks von 1681. Endlich erhält man Einsicht in eine 1859 veränderte Konzeption neuester technischer Entwicklung sowohl in der Anwendung geologischer Methoden für die Erzgewinnung als auch der Verhüttung.

Resumée
Les mines métalliques de l’Hungerberg (canton d’Argovie): Documents manuscrits des Archives d’État du canton d’Argovie

L’Académie des Mines fondée en 1765 à Freiberg avait la tâche d’initier les futurs fonctionnaires des mines aux sciences techniques, de façon à ce qu’ils dominent aussi bien les nouvelles techniques mécaniques que les sciences naturelles nécessaires à l’art des mines, et soient en mesure de diriger comme ingénieurs des mines et des fonderies (O. Wagenbreth, Freiberg). À la fin du XVIIIe siècle, nous trouvons comme élèves de cette académie le bernois Johann Samuel Gruner (1766­1824) et l’argovien Johann Rudolf Meyer (1768­1825) qui, pour la première fois dans les mines suisses, associent le domaine technique avec des reconnaissances géologiques approfondies et les fixent sur plans. Ces levés sont destinés à préciser les panneaux exploitables, mieux garantir la mine contre les effondrements, évacuer les gaz nocifs, extraire les eaux d’infiltration par pompage et limiter la chaleur souterraine par la ventilation. Nous jetterons aussi un regard sur la recherche de la rentabilité par la mécanisation, déjà avancée en Allemagne, et sur les procédés métallurgiques modernes, en prenant l’exemple d’Albbruck, proche de la frontière vers la Suisse, depuis la fondation de cette usine en 1681. Enfin nous donnerons un aperçu de la conception modifiée en 1859 d’une innovation technique, par l’application de méthodes géologiques pour l’exploitation de substances métalliques aussi bien que pour leur traitement. (HS)


Hermann Häusler, Wien und Ewald Kohler(†), Regensburg
Der Schweizer Geologe, Oberberghauptmann und Major Johann Samuel Gruner (1766­1824)
Begründer der Militärgeologie

Zusammenfassung

Johann Samuel Gruner wurde am 27. Februar 1766 in Bern geboren und ist im Alter von 58 Jahren, am 31. Jänner 1824 in der Nähe von München tödlich verunglückt. Gruner hat das Adelsprädikat «von» zwar nie amtlich geführt, doch gestattete ein Beschluss des Berner Grossrates vom 9. April 1783 allen regimentsfähigen Geschlechtern die Führung des Adelsprädikates. Sowohl zu seinen Lebzeiten als auch in der Literatur finden sich unterschiedliche Schreibweisen seines Namens, nämlich Gruner, von Grouner, aber auch «Grüner». Nach einem Bergbaustudium in Freiberg/Sachsen und Studienreisen nach Frankreich und Oberitalien in den Jahren 1786-1791, verbanden Gruner weiterhin freundschaftliche Beziehungen mit seinem akademischen Lehrer Abraham Gottlob Werner und mit seinen berühmten Studienkollegen Alexander von Humboldt und Leopold von Buch. Unter napoleonischer Herrschaft nahm Gruner als Offizier im Jahre 1799 an französischen Feldzügen unter General Lecourbe teil und dürfte dabei erstmals die Bedeutung des Einflusses des geologischen Untergrundes auf die Kriegsführung erkannt haben. In der Folge wirkte Gruner in Bern an der Herstellung eines geographischen Atlasses der «Schweiz und ihrer Bundesgenossenschaft» mit, der 1801 erschienen ist. Nach 20 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Schweiz war er im Zivilberuf zuletzt Oberberghauptmann (Directeur en Chef) aller schweizerischen Berg- und Salzwerke. Da die Stelle des Oberberghauptmannes aufgrund der Mediationsakte Napoleons in der Schweiz weggefallen ist, ist er im Jahre 1803 nach Bayern ausgewandert. In seinen folgenden Berufsjahren in Bayern gelang es Gruner zunächst an der Verbesserung optischer Vermessungsinstrumente mitzuwirken, um die von der französischen Konsularregierung in Paris geforderte Herstellung einer militärisch-topographischen Karte von Bayern zu ermöglichen. In den Befreiungskriegen gegen die Vorherrschaft Napoleons in Europa kommandierte Gruner als «Hauptmann erster Klasse» im März 1814 ein freiwilliges bayerisches Jägerbataillon bis Paris und wurde für seinen Einsatz vom König ausgezeichnet. Als bayerischer Infanterieoffizier beschäftigte sich Gruner, von 1814 bis zu seinem Tod im Jahre 1824, unter anderem auch mit dem Einfluss der Geologie auf die Kriegsführung. Wohl auf Anregung des damaligen Chefs des königlich-bayerischen Generalstabes, Generalleutnant Clemens von Raglovich, der ab 30. März 1817 die Direktion des Militärtopographischen Bureaus von Bayern übernommen hatte, verfasste Johann Samuel Gruner im Jahre 1820 eine Arbeit über das «Verhältnis der Geognosie zur Kriegswissenschaft». Diese ist im Jahre 1826, posthum, unter Gruners Namen, im Moll'schen Neuen Jahrbuch für die Berg- und Hüttenkunde, veröffentlicht worden. Sie stellt damit die fundamentale wissenschaftliche Publikation militärgeologischen Inhaltes des frühen 19. Jahrhunderts dar. Obwohl sich das Fachgebiet der Geologie auf akademischem Boden im deutschsprachigen Raum erst nach 1848 etabliert hat, und obwohl das epochale Werk Gruners im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder in Vergessenheit geraten sein dürfte, kann die im Jahre 1826 erschienene Arbeit über das «Verhältnis der Geognosie zur Kriegswissenschaft» auch als die theoretische Grundlage der deutschen Militärgeologie des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Johann Samuel Gruner kommt unbestritten das Verdienst zu, als erster Geologe bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert die Bedeutung der Geologie für militärische Operationen erkannt zu haben.

Abstract

Johann Samuel Gruner was born in Bern/Switzerland in 1766 and died near Munich/Germany in 1824. Although he was not of noble birth, a special regulation of his hometown dating 1783 allowed him to use the title «von». His name is known as (von) Gruner or Grouner, and both versions were used written by him as well as published in the literature. Gruner studied mining geology at the famous mining academy in Freiberg/Silesia in 1787. From that time Gruner cultivated contacts with the famous academic teacher professor Abraham Gottlob Werner, and his well known students, the universal scientist Alexander von Humboldt and the geologist Leopold von Buch. When serving the army under general Lecourbe in 1799, Gruner experienced the important influence of subsoil geology on military actions. Then Gruner was engaged in the preparation of a geographic atlas of Switzerland which was published in 1801. Furthermore Gruner was involved in mining activities, and finally became director general (Directeur en Chef) of all Swiss mines. But when Switzerland turned to the «Helvetic Republic» under Napoleon Bonaparte, Gruner lost his job and migrated to Bavaria in 1803. At the beginning of his career in Munich, Gruner took care of the enhancement of optic instruments which were necessary for the military geodetic survey of Bavaria. In the liberation war, Gruner again served as second class captain in March 1814, fighting the troops of Napoleon I., and he was decorated by the Bavarian King for victoriously commanding a Bavarian infantry bataillon to Paris. The last 10 years of his life Gruner served as commissioned officer and probably had closer contacts with general Raglovich, chief of the Bavarian Bureau of Military Topography. In 1920 Gruner wrote a memorandum on the relationship between geology and military science («Verhältnis der Geognosie zur Kriegswissenschaft») which was published posthumously in 1826. This paper can be referred to as the fundamental publication on military geology in the early 19th century. It can be concluded that Johann Samuel Gruner was the very first geologist, who already at the end of the 18th century was aware of the important influence of geology on military operations.

Résumé

Le géologue, directeur en chef des mines et colonel suisse Johann Samuel Gruner, fondateur de la géologie militaire. Johann Samuel Gruner est né le 27 février 1766 à Berne et décédé le 31 janvier 1824, à l’âge de 58 ans, des suites d’un accident près de Munich. Gruner n’a jamais porté officiellement la particule nobiliaire «von», bien qu’une décision du Grand Conseil de Berne, en date du 9 avril 1783, autorise tous les lignages susceptibles d’exercer une charge à porter cette particule.. De son vivant déjà et dans tous les écrits, son nom est orthographié de diverses façons : Gruner, von Grouner mais aussi «Grüner». Après ses études minières à Freiberg en Saxe et ses voyages d’étude en France et en Italie du Nord, au cours des années 1786 à 1791, Gruner a gardé des contacts amicaux avec son professeur Abraham Gottlob Werner et ses condisciples célèbres tels qu’Alexander von Humboldt et Leopold von Buch. Sous la domination française, Gruner participe en tant qu’officier aux opérations dirigées par le général Lecourbe ; c’est probablement à cette occasion qu’il reconnaît l’importance de la géologie pour la conduite de la guerre. Par la suite, Gruner collabore à la réalisation d’un atlas géographique de «la Suisse et sa Confédération», paru en 1801. Après 20 ans d’activité professionnelle en Suisse, il devient, dans le civil, directeur en chef de l’ensemble des mines et salines suisses. Ce poste de directeur en chef des mines étant supprimé en vertu des actes de médiation de Bonaparte en 1803, il s’expatrie en Bavière. En Bavière, Gruner participe tout d’abord à l’amélioration d’appareils optiques d’arpentage, destinés à lever une carte topographique militaire de la Bavière, exigée par le gouvernement consulaire de Paris. Dans les guerres menées pour libérer l’Europe de l’hégémonie napoléonienne, Gruner commande en tant que «capitaine de première classe» un bataillon de chasseurs volontaires bavarois qu’il mènera jusqu’à Paris en mars 1814; il est décoré par le roi pour cette action. En tant qu’officier d’infanterie bavarois, Gruner se consacre entre autres, de 1814 à sa mort en 1824, à l’étude de l’impact de la géologie sur la science militaire. Probablement sur instigation du lieutenant général Clemens von Raglovich, alors chef de l’État-Major royal bavarois, Johann Samuel Gruner rédige en 1820 son étude sur les «Relations de la géognosie (géologie) avec la science militaire». Celle-ci est publiée en 1826, à titre posthume, sous le nom de Gruner. Cette publication scientifique est fondamentale pour la géologie militaire de ce début de XIXe siècle. Bien qu’en région germanophone la géologie, en tant que spécialité, ne se soit établie dans le domaine académique qu’après 1848, et bien que l’étude cruciale de Gruner semble être retombée dans l’oubli vers la fin du XIXe siècle, ses «Relations de la géognosie avec la science militaire» parues en 1826 peuvent être considérées comme la base théorique de la géologie militaire allemande du XXe siècle. Johann Samuel Gruner a le mérite incontestatble d’avoir été le premier géologue à reconnaître, dès la fin du XVIIIe siècle, l’importance de la géologie pour les opérations militaires. (HS)


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